Der Künstler suchte für sich in seinem neuen Zyklus „Transit“, den er Ende 2018 abgeschlossen hat, stilistisch einen neuen Anfang. Er bleibt dem historischen Stoff treu, den er sowohl mit biografischem wie mit zeitgeschichtlichem Material anreichert, geht aber formal wieder stärkerins Offene. Größere Teile seiner Bilder sind malerisch behandelte Farbflächen oder zeigen sich als Zeichnung. Gehse schafft es, nach der langen Phase seiner Ausdrucksmalerei wieder der Spontanität des Malprozesses zu vertrauen, verzichtet bei Figuren oft auf Licht undSchatten und der plastischen Ausführung. Er belässt es bei Andeutung und Fläche. Farben werden an manchen Bildstellen sehr dünn aufgetragen, dass sie durchscheinend bleiben. Thematisch bleibt er – ähnlich wie einst der Dramatiker Heiner Müller in der Literatur – geschichtsphilosophisch.Er kommentiert nicht das politische Tagesgeschehen, ist nicht Parteigänger für eine Seite. Er verweigert mit seinen Bildern trotz aller zeithistorischen Bezüge die Zuordnung zu politischer Kunst. Das scheint ein Widerspruch zu sein. Seine Bilder besitzen ein politisches Bildvokabular. Oft genuglässt er in seinem Welttheater bekannte Politiker auftreten. Trotzdem nimmt der Künstler auf seinen Bildern nicht die Rolle des Welterklärers ein. Gehse malt keine historische Anekdoten bestimmter Ereignisse. Es geht ihm als Künstler um Geschichte als Ur-Kraft, als Ur-Bewegung, alsUr-Stoff. Insofern entfällt für ihn die Aufgabe des Aufklärers. Ein Aufklärer ist schnell in Gefahr, sich zum Moralisten oder Kritiker zu erheben. Diese Rolle beansprucht er nicht. So wie er die malerische Ausführung ins Offene treibt, behandelt er auch den Stoff: Transit verstehter als Passage oder Durchgang. Gemeint sind unsere Erfahrungen am Beginn des 21. Jahrhunderts. Wie wir die Welt in Bewegung erleben. Wir besitzen keine Klarheit über das Ziel der Passage. Das gilt auch für den Maler Albrecht Gehse. Er muss sich auf das Offene einlassen. DerKünstler selbst ist als Medium Durchgang für sich widersprechende Wahrnehmungen.

 

Michael Hametner



"Transit" - Reise durch Zeit und Raum in 19 Bildern

2017-2018

1 Luftsprung, 105/125

1 Luftsprung, 105/125

2 Im Einbaum im Theater, 105/125

2 Im Einbaum im Theater, 105/125

3 Die im Dunkeln sieht man..., 135/165

3 Die im Dunkeln sieht man..., 135/165

4 Die Welt so laut, 90/70

4 Die Welt so laut, 90/70

5 So hoch die Wasser steigen, 200/160

5 So hoch die Wasser steigen, 200/160

6 Ankunft in der Mühle, 260/240

6 Ankunft in der Mühle, 260/240

7 Der Eintrag, 180/190

7 Der Eintrag, 180/190

8 Gewöhnung an Haifische, 190/240

8 Gewöhnung an Haifische, 190/240

9 Karussel im Gebirge, 190/240

9 Karussel im Gebirge, 190/240

10 Mord auf offener Bühne, 260/180

10 Mord auf offener Bühne, 260/180

11 Es ist angerichtet, 300/200

11 Es ist angerichtet, 300/200

12 Odyssey eines Malers, 145/125

12 Odyssey eines Malers, 145/125

13 Großes Kino, 280/160

13 Großes Kino, 280/160

14 Abend eines Fisches, 100/200

14 Abend eines Fisches, 100/200

15 Das Tor ist auf, 300/240

15 Das Tor ist auf, 300/240

16 Deutsche Hörer! (Thomas Mann), 70/100

16 Deutsche Hörer! (Thomas Mann), 70/100

17 Nach Oben, 260/240

17 Nach Oben, 260/240

18 Gut festhalten, 260/240

18 Gut festhalten, 260/240

19 Epilog - Warum die Angst, alter Mann?, 260/240

19 Epilog - Warum die Angst, alter Mann?, 260/240