Albrecht Gehse zählt zu den großen deutschen Malern im Genre des Gesellschaftsbildes. Ausgebildet in den achtziger Jahren an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst und als Meisterschüler von Professor Bernhard Heisig wurde für Gehse die legendäre Leipziger Mehrfiguren-Malerei stilprägend. Er entwickelte aus dem Programm der Lehrer seine eigene Handschrift: kraftvoll, visionär und expressiv. Ein besonderes Merkmal für ihn ist die Verschmelzung von autobiografischen mit zeitgeschichtlichen Sujets. Er befragt in meist großformatigen Bildern die Existenz als Mensch und Künstler am Beginn des 21. Jahrhunderts. Immer wieder begegnet dem Betrachter Gehses Porträtkunst. Suggestive Beispiele sind 2002/2003 das Porträt von Helmut Kohl für die Galerie des Bundeskanzleramts und aktuell für den Zyklus „Transit“ das Bildnis des Schriftstellers Thomas Mann („Deutsche Hörer!“). Seine meist großformatigen Bilder lassen in ihrer multiperspektivischen inhaltlichen wie formalen Komposition wilde Tag- oder Albträume assoziieren. Herausragend sind die bisher entstandenen drei großen Bildzyklen, in denen sich Albrecht Gehse als Chronist tatsächlicher und Visionär drohender Katastrophen unserer Tage zeigt:

 

Zeitenwende – 11 Bilder (2001 bis 2004)

Aufruhr – 50 Bilder über die Welt (2007 bis 2015)

Transit – Reise durch Zeit und Raum in 19 Bildern (2017 bis 2018)

 

Michael Hametner, Leipzig

 

Thomas Mann in New York

Deutsche Hörer! (Thomas Mann), 2018, 70/100